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Georg Kern

Der hohenlohische Baumeister 1583 - vor 1643

Herkunft, Lebensweg und Lebensarbeit Georg Kerns gehören ausschließlich dem Raum zwischen Öhringen und Schillerfürst, Waldenburg und Bartenstein an. Man darf mit Recht in ihm den hohenlohischen Baumeister sehen. Weder vorher noch nachher nimmt ein Landeskind innerhalb des Bauwesens der gesamten Grafschaft eine solche Stellung ein. Er verbindet die Tätigkeit des Bauingenieurs, begründet in seiner Herkunft aus dem Handwerk, mit der des Architekten und Bildhauers, als Ausdruck der in der Familie liegenden künstlerischen Begabung. Frau Dr. Elisabeth Grünwald, wohl die beste Kennerin des Schaffens der Künstlerfamilie Kern hat sich auch intensiv mit dem Leben und Wirken des Georg Kern befaßt. Ihre Studien im Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein verdanken wir wichtige Hinweise.

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Schloß Neuenstein 1613 (Georg Kern als Baumeister beteiligt). Quelle: Aus dem Buch „Die Künsterfamilie Kern 1529-1691“

Georg Kern wurde am 28. Februar 1583 als Sohn des Michael II in Forchtenberg geboren. Er ist Bruder der bedeutenden Bildhauer Michael II, Leonhard und Peter II. Über seinen Ausbildungsgang liegen keinerlei Nachrichten vor. Es ist anzunehmen, daß er zuerst in der väterlichen Werkstatt und dann in der des 3 Jahre älteren Bruders Michael, als Steinmetz und Bildhauer tätig war. Nach dem Ende der Lehrzeit und der Eheschließung scheint die Übersiedlung nach Neuenstein erfolgt zu sein. 1607 wird er hier zum ersten Mal in den Kirchenbüchern erwähnt. Neuenstein wurde ihm damit zum dauernden Wohnsitz. Anlaß zu diesem Umzug war seine Berufung zum Baumeister, 1618 wurde ihm außerdem das Amt eines Burgvogts übertragen. Seine Stellung legte ihm 1621 den Gedanken nahe, sich von der Leibeigenschaft zu lösen; Bürgermeister und Gericht zu Forchtenberg waren gegen eine Zahlung von 30 Gulden dazu bereit. Aber erst 1631 verglich er sich mit diesen darüber und gab 20 Gulden als Ablösung. Sein Tod ist sicher vor 1643, angeblich 1639, also im Alter von 56 Jahre, erfolgt. Die Notizen, die einen Blick in seine persönliche Sphäre erlauben, sind spärlich.
Im letzten Drittel des 16. und im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts waren in Hohenlohe die Vorbedingungen zu einer vermehrten Bautätigkeit denkbar günstig. Die Hauptlandesteilung 1553 und die ihr folgenden Teilungen machten den Aufbau zahlreicher Residenzen als Verwaltungsmittelpunkte der neugeschaffenen Landesteile notwendig. Mit der Einführung der Reformation und der Übernahme des Kirchenvermögens war die Landesherrschaft die Verpflichtung zum Bau und zur Unterhaltung der Kirchen- und Schulgebäude eingegangen. Die Stuttgarter Bauschule war zu dieser Zeit eine der bedeutendsten in Süddeutschland. Die Berufung bereits bekannter auswärtiger Baumeister bot den einheimischen Kräften für ihre Entwicklung und Weiterbildung die besten Voraussetzungen; zuerst waren sie deren Schüler, dann deren Mitarbeiter. Diesen Weg macht auch Georg Kern, der es als einziger zum Leiter des gesamten Bauwesens der Grafschaft brachte und neben den auswärtigen Architekten zur Planung herangezogen wurde. Beim Öhringer Schloßbau wird er für uns als selbständige Baumeister faßbar.Kerns Aufgaben bestanden in der Erweiterung der Kirchen. Der erste größere Auftrag, den Kern nach seiner Bestellung zum Baumeister erhielt, bestand in der Erweiterung der Neuensteiner Stadtkirche. Zweifellos stand auch das Bauwesen an der Langenburger Kirche unter seiner Aufsicht, der er gleichzeitig am dirtogene Schloß tätig war. Zum Bau der Künzelsauer Stadtkirche 1612 bis  1622 zog man ebenfalls den „Neuensteiner Baumeister“ hinzu. Weitere Projekte sind die Kirchen in Ruppertshofen, Kirchensall, Eschelbach, Adolzfurt, Michelbach sowie zahlreiche Pfarr- und Schulhäuser. Alle diese Arbeiten stellten Kern vor vorwiegend technische Probleme, die er als erfahrener Bauleiter löste. Künstlerische Möglichkeiten konnten bestenfalls nur der Schloßbau bieten.
In der Zeit seiner Tätigkeit als gemeinschaftlicher Baumeister fallen die Umbauten an fast sämtlichen hohenlohischen Schlössern: Hermersberg, Pfedelbach, Öhringen, Neuenstein, Friedrichsruhe, Langenburg und Waldenburg. Wir treffen ihn hier als Bauleiter, Baumeister und Bildhauer. Im Jagdschloß Hermersberg war er am Saalbau und an Nebengebäuden beteiligt. Hermersberg ist das früheste Beispiel hohenlohischer Renaissancebaukunst. Vermutlich wegen des Galeriebaus war Georg Kern auch am Schloß Pfedelbach beteiligt. Das Öhringer Schloß ist der einzige Bau, bei dem dank der Akten und Risse über die Autorschaft  Georg Kerns Klarheit herrscht. In Neuenstein wird Georg Kern auch als Bildhauer faßlich. An dem Gewände des Terrassenportales sind die Buchstaben GKB eingraviert, die Georg Kern Burgvogt, aufgelöst werden können. Die Beteiligung Kerns an den Baumaßnahmen in Friedrichsruhe, Waldenburg und Künzelsau können angenommen werden. Das künstlerisch bedeutendste Unternehmen war nach Weikersheim das Bauwesen am Langenburger Schloß, vor allem die Gestaltung des Hofes. Vergleicht man die Langenburger Galerie mit der des Pfedelbacher Schlosses, so kommt man nicht umhin, auch diese Georg Kern zuzuweisen.Die Tätigkeit für das übrige herrschaftliche Bauwesen ist so umfangreich, daß eine Aufzählung immer unvollständig bleiben muß. Im Jahre 1617 erstellte er den Entwurf einer Orgel für die Stiftskirche in Öhringen. 1619 erfolgt der Neubau einer steinernen Brücke in Neufels, 1620 wird der Hauptturm der Neuensteiner Stadtbefestigung, der sogenannte Bürgerturm, erneuert. Wie sehr man Kerns Fähigkeit schätze, geht auch daraus hervor, daß er nach Stuttgart geschickt wurde, um sich über das dortige Münzwesen zu informieren.

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